Neue Entwicklungen im Kampf gegen Dogma-Revisionismus in Deutschland

Erklärung der Redaktion von Die Rote Fahne über den sich entwickelnden antirevisionistischen Kampf in Deutschland.

«Ob in China oder in anderen Ländern der Welt, zusammenfassend kann man sagen, dass über 90% der Bevölkerung letztendlich den Marxismus-Leninismus unterstützen werden. Es gibt immer noch viele Menschen auf der Welt, die aufgrund der Täuschungen der Sozialdemokraten, der Revisionisten, der Imperialisten und der Reaktionäre in verschiedenen Ländern noch nicht erwacht sind. Aber auch sie werden allmählich erwachen und den Marxismus-Leninismus unterstützen. Die Wahrheit des Marxismus-Leninismus ist unwiderstehlich. Die Massen des Volkes werden sich schliesslich in der Revolution erheben. Die Weltrevolution wird siegen.»

Mao Zedong: «Gespräch auf der Erweiterten Arbeitskonferenz des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas» (30.01.1962)

«Der Imperialismus und alle Reaktionäre sind Papiertiger, ebenso wie die Revisionisten.»

Mao Zedong — Zitiert aus Beijing Rundschau, Nr. 9 von 1970

Wir freuen uns, von neuen, wichtigen Entwicklungen im Kampf gegen den Dogma-Revisionismus in Deutschland — der dort von einer nationalistischen, patriarchalischen und revisionistischen Sekte vertreten wird, die sich «Komitee Rote Fahne» nennt — berichten zu können. Diese neuen Entwicklungen kommen in Form einer Polemik, die auf dem im Februar eingerichteten Blog «Der Sperling» veröffentlicht wurden und die wir von Genoss*innen des «Sperling»-Kollektivs per E-Mail erhalten haben. Darin haben die deutschen Genoss*innen wichtige Kritiken gegen die revisionistische Linie des Komitees Rote Fahne formuliert, wie sie von deren Zeitschrift «Klassenstandpunkt» vertreten wird. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass der Kampf gegen die neue dogmatisch-revisionistische Strömung auf Weltebene zunehmend von den echten Revolutionär*innen verschiedener Länder aufgenommen wird.

Wir teilen die Links zu dieser Polemik und einem anderen Dokument der deutschen Genoss*innen weiter unten. Auch wenn wir im Grossen und Ganzen mit dieser Polemik übereinstimmen und sie als eine wirklich grossartige Entwicklung im antirevisionistischen Kampf der Linken in der deutschen und internationalen kommunistischen Bewegung betrachten, haben wir doch auch ein paar wichtige Meinungsverschiedenheiten, von denen wir denken dass wir sie hier notwendigerwise für unser breiteres Publikum auflisten müssen. Wir wollen jedoch klarstellen, dass diese Punkte zwischen den schweizerischen und deutschen Revolutionär*innen eingehend diskutiert werden sollten, um Einheit mit geeigneten Mitteln und nicht durch offene Polemik zu erreichen.

1. ZUR FRAGE VON J. C. MARIÁTEGUI

Wir sind nicht damit einverstanden, dass in der Polemik der Begriff «Mariáteguisten» für die deutschen Dogma-Revisionisten verwendet wird. J. C. Mariátegui, der Gründer der Kommunistischen Partei Perus, war sowohl ein bedeutender Marxist-Leninist, wie auch ein bedeutender kommunistischer Anführer — er war einer der bedeutendsten Anführer und Theoretiker in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung. Einige Revisionisten, die eine seiner Theorien missbrauchen, als «Mariáteguisten» zu bezeichnen, bedeutet, den Revisionisten und ihrem Versuch, sich als «die wahren Kommunist*innen» darzustellen, Legitimität zu verleihen. Das ist so, als würde man die Frankfurt-Schule und andere «westliche Marxisten» als «Luxemburgisten» bezeichnen: völlig unangebracht.

Die vom Komitee Rote Fahne und der Zeitschrift Klassenstandpunkt vertretene Linie sollte besser als Dogma-Revisionismus bezeichnet werden, denn sie behandelt den Kameraden Gonzalo wie einen unfehlbaren Gott, so wie der historische Dogmato-Revisionismus von Enver Hoxha den Kameraden Stalin behandelte. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass dieser Ansatz des Marxismus-Leninismus-Maoismus-Gonzalo Denkes seinen Ursprung in der Volksbewegung Peru hat. Wenn überhaupt wäre es daher angebrachter, die deutschen Dogma-Revisionisten als «MPP-isten» zu bezeichnen.

2. ZUR FRAGE DER MYTHOS-THESE

Wir teilen die pauschale Ablehnung der Mythos-These von J. C. Mariátegui in der Polemik ebenfalls nicht. Es stimmt zwar, dass Mariátegui diese These vom «linken» Revisionisten George Sorel übernommen hat, doch es stimmt nicht, dass Mariátegui diese auf revisionistische Weise behandelt. Er übernimmt Sorels These nicht in Gänze, sondern unterteilt sie in Mythen, die den Interessen der verschiedenen Klassen entsprechen. Mariátegui stellt also Sorel «auf den Kopf» und etabliert somit eine marxistische Mythos-These.

Die deutschen Dogma-Revisionisten verwenden nicht etwa einen proletarischen Mythos, wie Mariátegui und Gonzalo ihn propagieren, sondern einen bourgeoisen, faschistischen Mythos, wie ihn Mariátegui bereits analysierte. Die deutschen Dogma-Revisionisten sind nämlich nicht nur Dogmatiker, sondern auch Sorelianer (und nicht Mariáteguisten) weil sie den Mythos nicht klassenbezogen verstehen. Die deutschen «Sperling»-Genoss*innen begehen hier die entgegengesetzte, «linke» Version genau dieses Fehlers, indem sie die Mythos-These als Ganzes verwerfen.

Obwohl die deutschen Genoss*innen die Mythos-These in Worten ablehnen, bekräftigen und benutzen sie diese jedoch in Taten. Dies kommt beispielsweise zum Ausdruck, wenn die Genoss*innen schreiben, dass «ein ‹Mythos› […] wohlwollend als revolutionäre Leidenschaft der Massen» zusammengefasst werden kann und somit zum folgenden völlig korrekten Schluss kommen:

«Ein Kommunist sollte sich der Ernsthaftigkeit seines Entschlusses bewusst sein, und das sollte man auch merken. Ein Kommunist sollte sich seiner Verantwortung für das Leben anderer Leute bewusst sein, und das sollte man auch merken. Er sollte auf Grundlage seines Verständnisses der Welt eine gewisse Souveränität im Handeln haben, und das sollte man auch merken. Kurz: Er sollte ausstrahlen, dass er Kommunist ist, und somit über das Verständnis, das die Massen vom Marxismus haben, hinaus Vertrauen stiften. Das ist übrigens der Platz, den der Glaube tatsächlich hat. Nicht als Ersatz vom Wissen, sondern als sein Komplement.»

Das ist die Rolle des Mythos, als Ergänzung zum Wissen, die eine breitere Populärisierung des betreffenden Wissens ermöglicht — und die deutschen Genoss*innen geben dies implizit zu, währenddem sie es explizit ablehnen. Das ist ein Widerspruch und ein eklektischer Aspekt der Polemik.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Mythos nichts anderes als der geistliche Ausdruck und die Form der Ideologie und der Politik ist — er ist das Bindeglied zwischen dem theoretischen Wissen und dessen nachweislicher Relevanz für die Menschheit (ad hominem), um den Ausdruck von Marx zu verwenden. Der Mythos ist eine Notwendigkeit, um die ideologische und politische Linie zu populärisieren und zu verkörpern. Wenn man rationales, wissenschaftliches Wissen verkörpert und es anwendet, um die Welt zu verändern, entsteht ein Mythos, der die Massen ergreift und sie dazu bewegt, die Welt zu verändern. Mao Zedong propagierte diese Idee in seiner Rede «Yü Gung versetzt Berge».

Die marxistische Mythos-These lautet (wissenschaftliche Erkenntnis → Verkörperung → Mythos → Massenaktion). Das Subjekt (der/die Kommunist*in) beginnt mit der Aneignung der wissenschaftlichen Erkenntnis (Marxismus-Leninismus-Maoismus). Auf dieser Grundlage übernimmt das Subjekt seine/ihre Verantwortung und Pflicht (Verkörperung). Diese Verkörperung erzeugt eine geistige und moralische Wirkung auf das Subjekt wie auch auf das Objekt (das Proletariat, die arbeitenden Massen und das Volk): (Mythos). Dieser Mythos wiederum agitiert das Objekt und fördert dessen Einbindung in den Kampf, obwohl es die wissenschaftliche Tatsache des Marxismus noch nicht vollständig versteht. Dies inspiriert es, den Marxismus zu begreifen.

Anstelle dieses marxistischen Ansatzes verdrehen die Dogma-Revisionisten die Mythos-These und stellen sie auf den Kopf, wobei das Subjekt den Mythos und nicht die wissenschaftliche Erkenntnis verkörpern soll. Dies ist eine irrationalistische und damit faschistische Auffassung. In diesem Fall versucht das Subjekt, ein mythisch-geistliches Konzept anstelle einer wissenschaftlichen Tatsache zu verkörpern, und das Ergebnis sind «Parteisoldaten» anstelle von Kommunisten — Menschen ohne die Fähigkeit zum kritischen Denken und ohne ein wirkliches Verständnis des Marxismus-Leninismus-Maoismus. Dies ist ein faschistisches Kriterium, das das Komitee Rote Fahne bei der «Schmiedung» seiner Mitglieder und Aktivisten anwendet.

Man stelle sich zum Beispiel eine Demonstration in Hamburg oder Freiburg vor. Den Aktivisten wird gesagt: «Unsere Fahne ist heilig, lasst sie nicht den Boden berühren, lasst sie nicht in Feindeshand fallen!» Das soll den Aktivisten helfen zu verstehen, dass die Fahne ein revolutionäres Symbol ist und dass die Polizei unser Klassenfeind ist. Sie sollen sich heldenhaft und kämpferisch verhalten und die Massen inspirieren, es ihnen gleichzutun. In Wirklichkeit verstehen die Aktivisten jedoch nicht, warum sie die Fahne bewachen müssen, sie verstehen nicht, warum die Polizei der Feind ist, und die Massen werden nicht inspiriert — stattdessen werden diese von dem scheinbar sektiererischen, kultischen Verhalten abgeschreckt. Wer daran zweifelt, dass dies die Wirkung des dogmatisch-revisionistischen «Mythos» ist, braucht nur Hamburger*innen zu fragen, was sie von der Demonstration «für» den Kameraden Gonzalo Ende letzten Jahres hielten (damit meinen wir hier nicht, dass diese Demonstration nicht viele Leute erreicht hätte, sondern dass man die Leute fragen sollte, die diese durch das gentrifizierte Touristenviertel marschieren sahen).

Wenn man jedoch von dem Verständnis ausgeht, dass wir die Revolution brauchen, dass der reaktionäre Staat der Hauptfeind ist und dass wir durch die Teilnahme an einer Demonstration unsere Stärke gegen die des Staates zeigen sollen, wird man seine Pflicht zur Verteidigung der Fahne verstehen, man wird die taktischen Grenzen dieser Pflicht verstehen (was bedeutet, dass man nicht versuchen wird, die Fahne zu «entarretieren», wie die Dogma-Revisionisten es von ihren Aktivisten verlangen), und man wird den Klassenkampf und eine bewusste, proletarische Disziplin verkörpern. Dies wird die Massen tatsächlich dazu inspirieren, diesem Beispiel zu folgen. Das ist der Unterschied zwischen den beiden Auffassungen des Mythos.

Das beste Beispiel für den faschistischen Mythos, der von den Revisionisten des Komitees Rote Fahne aufrechterhalten wird, ist der 1. Mai 2013. Die Leitung der dogmatisch-revisionistischen Sekte gab eine Direktive raus: Verlasst die Demonstration nicht, bis ihr verhaftet werdet! Dies geschah angeblich, um die Idee zu «verkörpern», das eigene Leben auf den Fingerspitzen zu tragen. In Wirklichkeit handelte es sich hier jedoch um eine extrem sektiererische Anweisung, die funktionell dazu führte, dass fast die gesamte damalige revolutionäre Organisation verbrannt wurde (abgesehen, praktischerwise, von der Leitung). Dies ist der Höhepunkt des faschistischen Mythos der deutschen Dogma-Revisionisten: ihre faschistische, Mussolini-ähnliche Anbetung des «Kampfes» als Selbstzweck.

Wir empfehlen den deutschen Genoss*innen zu Mariáteguis Werken zurückzukehren und sie als eigenständige Werke zu studieren, wobei sie die positiven Erfahrungen mit der Verwendung des Mythos während der chinesischen Kulturrevolution im Hinterkopf behalten sollten, anstatt sie in der pervertierten Form zu studieren, die im Klassenstandpunkt propagiert wird.

3. ZUR FRAGE DER REVOLUTIONÄREN STRATEGIE

Wir stimmen auch nicht mit der in der Polemik geäusserten Kritik an der revolutionären Strategie der deutschen Dogma-Revisionisten überein. Währenddem wir die Betonung der Frage der ideologischen und politischen Hegemonie der Bourgeoisie für wichtig und richtig halten — in Übereinstimmung mit Gramscis wichtiger These über die Hegemonie —, stimmen wir nicht mit den eklektischen Schlussfolgerungen überein, zu denen die Genoss*innen gelangen.

Die Genossen weisen zwar zu Recht darauf hin, dass die dogmatisch-revisionistische Strategie auf eine Fokustheorie statt auf eine kreative Anwendung des Volkskriegs hinausläuft, aber sie verstehen nicht, was eine solche kreative Anwendung bedeutet. Wir haben diese Frage ausführlich in unserem wichtigen Beitrag «The October Road Is the Only Path of the Socialist Revolution in the Imperialist Countries» (Die deutsche Übersetzung wird bald unter dem Titel «Der Oktoberweg ist der einzige Weg der sozialistischen Revolution in den imperialistischen Ländern» veröffentlicht werden) erörtert, den wir unseren Genoss*innen zum sorgfältigen Studium empfehlen.

Im Wesentlichen verstehen die deutschen Genoss*innen nicht, dass der Guerillakrieg nicht von der Umgebung abhängt, in der er stattfindet — die Umgebung ist nur eine Ergänzung zu den Menschen. Dies war ein wichtiger Kampf sowohl während des russischen revolutionären Bürgerkriegs, als Stalin und Trotzki einander in der Frage gegenüberstanden, ob im Kampf gegen die Weisse Armee das Gelände oder die Massen im Vordergrund stehen sollten, als auch während des antijapanischen Widerstandskriegs des chinesischen Volkes, als Mao Zedong die Volksarmee anwies, den Guerillakrieg in verschiedenen Geländetypen (sowohl im Gebirge, wie in den Steppen und den städtische Gebieten) und in verschiedenen politischen Situationen (in kommunistischen, Guomindang- und japanischen Gebieten) zu entwickeln, indem er immer wieder die entscheidende Rolle betonte, die die Massenarbeit der Volksarmee dabei spielte, wo der Guerillakrieg entwickelt werden konnte (siehe Mao Zedongs Korrespondenz aus den Jahren 1937-45 in Mao’s Road To Power, Bd. 6-8). Auch im Volkskrieg in Peru war es möglich, den bewaffneten Kampf in Gebieten zu entwickeln, die vom Feind gehalten wurden, wie z. B. die Hauptstadt Lima selbst.

Für uns in den imperialistischen Ländern geht es nicht darum, die Massenarbeit vor dem Beginn des bewaffneten Kampfes zu entfalten, sondern den bewaffneten Kampf als ergänzenden Aspekt zum politischen Kampf (einschliesslich der Massenarbeit als grundlegendem Teil) zu entfalten, bis die Doppelmacht im ganzen Land entsteht und das strategische Gleichgewicht erreicht ist — wodurch die Aufstände und damit der Übergang zum offenen revolutionären Klassenkampf während der strategischen Offensive möglich werden. Dies wurde in dem oben erwähnten Artikel «Der Oktoberweg…» skizziert und wir hoffen, dass unsere deutschen Genoss*innen das Studium dieses Beitrages sehr ernst nehmen werden.

Wenn wir uns auf die Thesen von Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao und Gonzalo zum Thema der sozialistischen Revolution in kapitalistischen Ländern stützen, können wir verstehen, dass die sozialistische Revolution in einem imperialistischen Land einen Prozess durchlaufen muss, der gekennzeichnet ist durch:

  • Eine Etappe der Gründung oder Wiedergründung der Kommunistischen Partei. Das bedeutet, die historische Parteieinheitsgrundlage im Hinblick auf den heutigen Marxismus zu identifizieren, wiederaufzunehmen und weiterzuentwickeln (sowohl «korrigieren» wie auch «modernisieren») oder die Parteieinheitsgrundlage zu schaffen, falls diese historisch nie existiert hat. Dies ist im Grunde genommen ein Kampf gegen den historischen, nationalen, internationalen und internen Revisionismus. In dieser Etappe müssen der Aufbau von organisatorischen Apparaten und die Durchführung der politischen Arbeit der Aufgabe dienen, die Kommunistische Partei zu gründen oder wiederzugründen.

  • Eine Etappe des Aufbaus oder Wiederaufbaus der Parteiorganisationen, der militärischen Organisationen und der Einheitsfront, in der der politische Kampf geführt und der bewaffnete Kampf vorbereitet wird. Diese Phase muss notwendigerweise dadurch gekennzeichnet sein, dass man beginnt, die bourgeoisen Parlamente und Abstimmungen (d.h. Referenden) zu nutzen, um öffentliche Meinung für die sozialistische Revolution zu schaffen. In dieser Etappe kommt auch der Mobilisierung der Massen zu Krawallen und anderen Formen von Massenaktionen eine besondere Bedeutung zu, da sie öffentliche Unterstützung für die Revolution gewinnen und das Volk auf den bewaffneten Kampf vorbereiten.

  • Eine Etappe, in der sowohl der politische als auch der bewaffnete Kampf geführt wird (die strategische Defensive der Revolution). Dies ist zwar in strategischer Hinsicht der Beginn des Volkskrieges, doch im militärischen Sinne handelt es sich weiterhin nur um Kampf und noch nicht um einen Krieg. Diese Etappe ist durch das Entstehen von Doppelmacht und begrenzter Basisgebiete gekennzeichnet.

  • Eine Etappe der Vorbereitung und Durchführung von Aufständen, um den Einfluss des Feindes auf die grossen und mittelgrossen Städte zu brechen (das strategische Gleichgewicht der Revolution). Es handelt sich hier um die Weiterentwicklung des Klassenkampfes und seine Umwandlung in einen Klassenkrieg. Diese Etappe ist durch eine weit verbreitete Doppelherrschaft und die Eroberung bedeutender Basisgebiete gekennzeichnet.

  • Eine Etappe des bewaffneten Kampfes, die durch den politischen Kampf ergänzt wird (die strategische Offensive der Revolution). Es handelt sich hier um den offenen revolutionären Bürgerkrieg, den Klassenkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie. Diese Etappe ist gekennzeichnet durch die Verallgemeinerung und Stabilisierung der Diktatur des Proletariats im Zuge der landesweiten Eroberung der Staatsmacht.

  • Eine Etappe des Wiederaufbaus der Binnenwirtschaft, der Sicherung der Grenzen des Landes und der Unterdrückung der Konterrevolutionäre, um den Aufbau des Sozialismus vorzubereiten.

Es ist notwendig, diesen Umriss zu verstehen. Natürlich muss der Oktoberweg im Sinne der Theorie des Volkskrieges in den verschiedenen Ländern unterschiedlich angewendet werden. Die Schweiz hat drei Nationen (die deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Nationen) von relativ ähnlicher Grösse, währenddem Deutschland lediglich eine grosse Nation (die deutsche Nation) und drei kleinere, untergeordnete Nationen (die Dänen, Friesen und Sorben) umfasst. Deutschland ist ein grosses, meist flaches Land, wohingegen die Schweiz klein und gebirgig ist. Deutschland hat viele grosse und mittelgrosse Städte, wohingegen es in der Schweiz keine Grossstädte im internationalen Sinne gibt. Ausserdem gibt es weder in Deutschland noch in der Schweiz Siedlerkolonien wie in Australien oder den USA, wo es notwendig ist, in Volkskriegen der unterdrückten Nationalitäten die Städte komplementär vom Land aus zu umzingeln und gleichzeitig in anderen Regionen den Oktoberweg zu verfolgen. Es gibt auch andere Fragen, die gelöst werden müssen, wie die migrantisch-nationale Frage, die jüdisch-nationale Frage und die nationale Frage der fahrenden völker. Auch gibt es territoriale Fragen, wie z.B. Liechtenstein oder Nordschleswig, die einen unterschiedlichen Charakter haben und auf unterschiedliche Weise gelöst werden müssen. Wir schlagen also auf keinen Fall vor, dass unsere deutschen Genoss*innen die gleiche revolutionäre Strategie wie wir Schweizer Revolutionär*innen anwenden sollen. Dennoch müssen sie verstehen, dass der allgemeine Weg, den sie einschlagen müssen, derselbe ist — der Oktoberweg im Hinblick auf die Theorie des Volkskrieges — und dass die Spezifizierungen nach Anerkennung des allgemeinen Weges erfolgen müssen.

4. ZUR FRAGE DER REVOLUTIONÄREN BEWEGUNG IN DEUTSCHLAND

Wir lehnen die Angriffe der Polemik gegen die Generationen von Genoss*innen, die bereits vorher die Reihen der deutschen Dogma-Revisionisten verlassen haben (wie z.B. die Genoss*innen des Jugendwiderstandes) ab.

Was hier verstanden werden must ist, dass die dogmatisch-revisionistische Strömung auf Weltebene — von der die Linie der deutschen Dogma-Revisionisten ein Ausdruck ist — sich innerhalb der Volksbewegung Peru in den 1990er und 2000er Jahren entwickelte und ab dem Jahr 2000 der vorherrschende Aspekt in der Linie dieser Organisation wurde. Dies wiederum führte schlussendlich zu ihrem vollständigem Verrat an der Revolution um das Jahr 2013 herum, als sie bdamit egannen, wissentlich die 3. rechtsopportunistische Linie in Peru als angeblichen «Volkskrieg in Peru» zu fördern — ein vergeblicher Versuch, das Prestige, die Legitimität und die Existenzberechtigung der Volksbewegung Peru zu erhalten. Als das Komitee Rote Fahne 2013-15 von der Volksbewegung Peru gegründet wurde, übernahm es diese «links»-liquidatorische Linie vollständig und verwandelte diese dann schrittweise in ihr mechanisches Gegenteil: eine rechtsopportunistische Linie.

Das Komitee Rote Fahne und seine Sprachrohre, wie die Zeitschrift Klassenstandpunkt, waren daher nie marxistisch, sondern revisionistisch. Gegnerschaft und Abspaltungen von dieser Sekte auf marxistischer Grundlage waren daher seit ihrer Gründung legitime Mittel des Kampfes. Dies gilt auch für den Jugendwiderstand, der Opfer eines koordinierten dogmatisch-revisionistischen Angriffs und reaktionärer polizeilicher Repression wurde, was zu seiner Isolierung und seinem Zusammenbruch führte. Es ist nicht wahr, dass der Jugendwiderstand oder irgendeiner der anderen gegenwärtig in Deutschland existierenden antidogmatisch-revisionistischen Kreise sozialfaschistische Organisationen sind — dies war eine Lüge, die vom Komitee Rote Fahne erfunden und verbreitet wurde, um sich internationale Unterstützung zu sichern. Die ganze Polemik gegen den Jugendwiderstand ist daher völlig unzutreffend.

In den letzten Jahren sind in ganz Deutschland viele revolutionäre Zirkel entstanden. Der diesjährige Rote Jugendblock auf der Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Demonstration war ein starkr Ausdruck dieses Trends. Es handelt sich hier um junge Revolutionär*innen, die sich als Antirevisionist*innen verstehen und vom Marxismus-Leninismus-Maoismus inspiriert sind. Sie erheben zunehmend die Forderung nach der Wiedergründung der Kommunistischen Partei Deutschlands, und bestimmte Zirkel innerhalb dieser Vereinigung führen einen Kampf in Richtung Maoismus. Alle diese Kreise sehen sich auch in der Tradition des Jugendwiderstandes und verachten daher die dogmatisch-revisionistischen Sektierer vom Komitee Rote Fahne, welche sie (zu Recht) als Polizeikollaborateure und Sektierer betrachten. Die Bewegung für die Wiedergründung der Partei findet in Deutschland objektiv statt — aber sie verlangt Zentralisierung und Leitung. Diese Rolle muss von dem Zirkel mit der am weitesten fortgeschrittenen ideologischen und politischen Linie erfüllt werden. Deshalb dürfen sich die Genoss*innen vom Sperling nicht sektiererisch gegenüber diesen jungen Genoss*innen, die in der Tat den Weg der Wiedergründung der Partei beschreiten, verhalten — denn ansonsten werden besagte junge Genoss*innen selbst die notwendige Leitung schaffen und über die Köpfe der erfahreneren Genoss*innen hinweg marschieren.

Die eigentliche Aufgabe für die deutsche kommunistische Bewegung besteht gegenwärtig nicht darin, die weniger sachkundigen Neulinge in der revolutionären Bewegung anzugreifen oder die deutschen Dogma-Revisionisten implizit bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit zu unterstützen — stattdessen besteht die brennendste Aufgabe gegenwärtig darin, ein vereinigendes ideologisch-politisches leitendes Zentrum zu schaffen, das aus konsequenten Kommunist*innen besteht, die an einer korrekten ideologischen und politischen Linie festhalten, welches dann darum kämpfen muss, alle verstreuten revolutionären Zirkel in Deutschland, einschliesslich derjenigen, die sich zuvor vom Komitee Rote Fahne abgespalten haben, auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus-Maoismus-Gonzalo Denkens, der Notwendigkeit der Wiedergründung der Kommunistischen Partei Deutschlands und der Notwendigkeit des bewaffneten revolutionären Krieges zur Eroberung der politischen Macht zu gewinnen.

Auf diese Weise wird es möglich sein, tatsächlich eine Organisation zu schaffen, die die revolutionäre Bewegung in Deutschland lenken, die Partei wiederbegründen und den bewaffneten Kampf in Hinblick auf die Theorie des Volkskrieges und dem Oktoberweg einleiten kann. Sektierertum und die Wiederholung von dogmatisch-revisionistischen Lügen dienen diesem Ziel in keiner Weise. Wir verstehen, warum die Sperling-Genoss*innen so denken — denn die Schweizer Revolutionär*innen glaubten früher aufgrund ihrer Geschichte mit den deutschen Dogma-Revisionisten die gleichen Lügen wie sie. Wir konnten jedoch mit dieser falschen Einstellung brechen, indem wir die Wahrheit anhand von Fakten suchten. Wir empfehlen den Genoss*innen, die ursprüngliche Polemik zwischen der Redaktion des Klassenstandpunkts und dem Jugendwiderstand wieder aufzugreifen und die Standpunkte, die die Genoss*innen von den Dogma-Revisionisten geerbt haben, neu zu bewerten.

5. KURZ ZUR FRAGE DES PATRIARCHATS

Wir sind mit dem anderen Dokument «Das Patriarchat im Kapitalismus und seine Abschaffung» teilweise nicht einverstanden, weil es den sekundären Aspekt des Patriarchats, nämlich die doppelte Unterdrückung von queeren Menschen, völlig auslässt. Die Unterdrückung von queeren Menschen ist eine notwendige Ergänzung zur doppelten Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen in der patriarchalischen Gesellschaft. Die Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen kann unmöglich ohne die Unterdrückung von Queers existieren, und wenn man sie ausklammert, führt dies zu einer subjektivistischen, einseitigen Analyse des Problems des Patriarchats im Kapitalismus. Wir verweisen auf das Dokument «Marxismus und Queer-Emanzipation» für weitere Ausführungen zu diesem Thema.

* * *

Wir möchten diesen kurzen Leitartikel beenden, indem wir noch einmal unsere grosse Freude darüber bekräftigen, dass nun auch in Deutschland der offene Kampf gegen den deutschen Dogma-Revisionismus begonnen hat. Dass dieser Kampf nun von Genoss*innen in Deutschland aufgenommen wird, ist von grosser Bedeutung. Wir hoffen, dass die Genoss*innen ihre Fehler korrigieren werden, genauso wie sie es getan haben, als sie mit den Komitee Rote Fahne Revisionisten gebrochen haben, und dass sie weiter auf dem Weg zur Wiedergründung der Kommunistischen Partei Deutschlands.der Partei Luxemburgs und Liebknechts, auf dem Weg der sozialistischen Revolution voranschreiten werden — auf dem Weg, von dem sie zuerst den Kieselstein, der der Dogma-Revisionismus ist, wegfegen müssen, bevor sie weiterkommen können. Die grösste Herausforderung bei dieser Aufgabe wird die Überwindung der ererbten sektiererischen Haltung gegenüber den anderen revolutionären Organisationen in Deutschland sein, die unter einer einzigen Fahne, in einer einzigen Organisation, für ein einziges Ziel vereint werden können und müssen: unter dem Marxismus-Leninismus-Maoismus, in einer einzigen, einheitlichen, bundesweiten deutschen kommunistischen Organisation, für die Kommunistische Partei Deutschlands und den bewaffneten Kampf.

Die Polemik der deutschen Genoss*innen von Der Sperling ist hier zu finden. Ihr Dokument zum proletarischen Feminismus ist hier zu finden. Wir sind sicher, dass eine englische Übersetzung irgendwann von den deutschen Genoss*innen im Interesse der Entwicklung des Zweilinienkampfes in der internationalen kommunistischen Bewegung allgemein und nicht nur in den deutschsprachigen Ländern zur Verfügung gestellt werden wird.

TOD DEM REVISIONISMUS! VEREINIGT EUCH UNTER DEM MAOISMUS!
DIE KOMMUNISTISCHE PARTEI DEUTSCHLANDS WIEDERGRÜNDEN!
KLASSENKRIEG FÜR DEN SOZIALISMUS! VOLKSKRIEG BIS ZUM KOMMUNISMUS!

Schweiz, 29.03.2022
REDAKTION
DIE ROTE FAHNE