VOLKSKRIEGSBERICHT: Neue Aktionen + 3. Teil einer Artikelserie über Imperialismus in den Philippinen

Bericht alle zwei Wochen zu den neusten Aktionen aus den Volkskriegen auf der Welt + ein revolutionärer Kurzartikel.

Volkskriegsbericht
22.04.2022

Produziert von
Die Rote Fahne

AKTIONEN

INDIEN

BEWAFFNETE AGITATION UND PROPAGANDA

19.04.2022: Ein Poster gegen ein korruptes Strassenbauprojekt zwischen den Dörfern Chakramal und Babebira (Bargarh, Odisha) wurde aufgehängt; es markiert die Rückkehr kommunistischer Präsenz in den Distrikt.

GUERRILLAKAMPF

18.04.2022: Sturmangriff von roten Soldat:innen der Volksbefreiungs-Guerrillaarmee, der Streitkräfte der Kommunistischen Partei Indiens (Maoist:innen), gegen ein Sicherheitslager der Polizei bei Kutru (Bijapur); vier Bullen wurden spitalreif verletzt und die Genoss:innen konnten sich sicher zurückziehen.

20.04.2022: Hinterhalt roter Soldat:innen gegen einen reaktionären Trupp von Einheiten des Sondereinsatzkommandos, der Distrikt-Reservewache und von CoBRA zwischen den Dörfern Kottaguda und Pegdapalli (Chhattisgarh); ein Wachtmeister von CoBRA, der Aufstandsbekämpfungs-Dchungeleinheit des faschistischen indischen Staats, wurde verletzt. Der Hinterhalt ist teil der taktischen Gegenoffensivkampagne, welche die Kamerad:innen der Kommunistsichen Partei Indiens (Maoist:innen) momentan durchführen.

SABOTAGE

15.04.2022: Beschädigung einer Brücke im Sukma-Distrikt (Bastar) mit Sprengsätzen. Die ganze Brücke wäre zusammengesürzt, wenn die Aktion nicht von Einheiten der Zentralen Reservepolizei und der Distrikt-Reservegarde unterbrochen worden wäre. Die Genoss:innen zogen sich taktisch zurück und erlitten keine Verluste.

18.04.2022: Brandstiftung gegen sieben Traktorn, die für ein Strassenbauprojekt im Dorf Managanar (Barsur, Bijapur) verwendet wurden. Ein Kontingent von 100 bis 150 bewaffneten roten Soldat:innen standen Wache und zündeten die Traktoren an; zudem wurde ein Banner zurückgelassen, welches den Dorfsekretär und Auftraggeber des Projekts warnt.

19.04.2022: Weitere Brandstiftung von roten Soldat:innen gegen vier Hyva-Lastwägen, zwe JCB-Machinen und ein weiteres Fahrzeug; die Fahrzeuge wurden alle in der Nähe des Mingachal-Flusses (Bijapur, Chhattisgarh) für Sandbergbau verwendet.

LIQUIDIERUNGEN

18.04.2022: Liquidierung eines Stammesführers und verdächtigten Polizeispitzels im Dorf Kalaiguda (Sukma, Chhattisgarh).

POLITISCHE GEFANGENE

11.04.2022: Dr. G. N. Saibaba veröffentlichte aus der Isolationshaft heraus ein Buch namens «Warum fürchten sie mich so sehr? Gedichte und Briefe aus dem Gefängnis. Saibaba wurde 2014 aufgrund angeblicher Verbindungen zur Kommunistischen Partei Indiens (Maoist:innen) verhaftet. Das Buch berichtet vom Leben in seiner Zelle und seinem Traum von Freiheit; Beamte des Zentralgefängnisses von Nagpur probierten ihn erfolgslos durch Schikane von der Veröffentlichung des Buches abzuhalten. Saibabas Muttersprache ist Telugu, doch die indischen Reaktionäre verbieten ihm und seiner Frau, die Sprache zu sprechen und sogar Briefe in ihr zu schreiben. Er hat hinter Gittern bereits zwei Mal Corona bekommen, doch erhält keine medizinische Behandlung.

G. N. Saibabas neues Buch.

13.04.2022: Das Hohe Gericht Bombay des alten indischen Staats verweigerte dem politischen Gefangenen Varavara Rao seine Bitte um permanente Freilassung inmitten seines kritischen Gesundheitszustandes, u.a. ersten Anzeichen von Parkinson. Der fortschrittliche Dichter wurde 2018 wegen Krawallvorwürfen und angeblicher Verbindungen zur Kommunistischen Partei Indiens (Maoist:innen) verhaftet und ist zurzeit noch befristet auf freiem Fuss, damit er eine Katarakt-Operation machen kann. Die Reaktionäre sind jedoch verbissen darauf, ihn wieder einzusperren. Strafverfolger Anil Singh sagte dazu schlicht: «Er ist über 80 Jahre alt, natürlich wird es medizinische Probleme geben. Das bedeutet aber nicht, dass er auf ewig Verlängerungen bekommt. Irgendwann muss er aufgeben; ich sehe nicht, wieso diese Bitte durchkommen soll.»

Varavara Rao.

DIE PHILIPPINEN

LIQUIDIERUNGEN

10.04.2022: Liquidierung von Jeger Flores, einem Red-Tagger (= er warf Massen vor, rote Soldat:innen zu sein, um Berechtigung für staatliche Repression gegen sie zu schaffen) und lokalen Spitzel für das 62. Infanteriebatallion der Philippinischen Armee. Flores wurde in Guihulngan-Stadt (Orientalnegros) von der Neuen Volksarmee ─ Zentralnegros (Kommando Leonardo Panaligan) liquidiert. Er war unmittelbar am Mord von Arnold Suerte durch die reaktionären Streitkräfte im Januar beteiligt gewesen, dem man vorgeworfen hatte, ein roter Soldat zu sein.

15.04.2022: Liquidierung von Elvin Janapin Alzaga, einem Mitglied einer Sondereinheit des Militärgeheimdienstes, in der Gemeinde Guinlajon (Sorsogon-Stadt). Es war ein längst überfälliger Tod für diesen Reaktionär, an dessen Händen es kaum mehr Platz für neues Blut gab: er war seit langem ein Red-Tagger, war im Februar an der Entführung von organisierten Fischer:innen beteiligt, zwang mehrere Leute zur gefaketen Kapitulation als Mitglieder der Neuen Volksarmee, tötete andere aussergerichtlich und war Teil einer Sondereinheitsoperation im Juni 2019, die den roten Kommandanten Kamerad Dupax ermordete.

IMPERIALISTEN RAUS! DIE PHILIPPINEN SIND KEIN SCHACHBRETT! TEIL 3: DIE INLÄNDISCHE KONTERREVOLUTION

EINLEITUNG: LEERE WORTE DES FASCHISTEN

Die Kommunistische Partei der Philippinen und die revolutionären Streitkräfte der Neuen Volksarmee führen nun schon über ein halbes Jahrhundert einen Volkskrieg gegen den alten philippinischen Staat und seine imperialistischen Herren. Der Volkskrieg ist kein Angriffskrieg oder ethnischer Konflikt, sondern ein Befreiungskampf; er hat das Ziel, das unterdrückte Volk in Revolution zu vereinigen, den alten Unterdrückerstaat zu zerstören und an seiner Stelle einen neuen aufzubauen. Dieser neue Staat ist eine neudemokratische Diktatur (d.h. mit Demokratie für das Volk und nicht für CEO’s, rückschrittliche Generäle, ausländische Investoren und Grossgrundbesitzer). Durch diese neue demokratische Revolution ist es möglich, unter der Leitung der Arbeiterklasse die gesamte Wirtschaft, Politik und Kultur der Philippinen sozialistisch neu zu errichten, so dass all dies den Arbeitenden und nicht irgendwelchen Ausbeutern dient.

Der Volkskrieg in den Philippinen hat schon mehrere schwere Zeiten durchgestanden, unter anderem die faschistische Diktatur des U.S.-gestützten Ferdinand Marcos, die wir im zweiten Teil dieser Artikelserie kurz schilderten. Die schwierigen Zeiten haben den kämpfenden Kommunist:innen, Guerrillas und Massen wichtige Lektionen für die Befreiung der Philippinen mitgegeben und die Revolution gestärkt. International bemüht sich aber die Kapitalistenklasse, das Gegenteil zu behaupten, indem sie von vorne bis hinten gefälschte Zahlen über die Grösse der Kommunistischen Partei der Philippinen und der von ihr geführten Neuen Volksarmee verbreitet. Die gängigste Behauptung lautet wie folgt: Die Neue Volksarmee hatte ihren Höhepunkt 1986 nach dem Ende der Marcos-Diktatur mit rund 24’000 Soldat:innen, doch heute sind es nur noch zwischen 4’000 und 5’000. Doch die Wahrheit sieht umgekehrt aus: 1986 zählte die Kommunistische Partei der Philippinen noch 10’000 Parteimitglieder zählte, die Neue Volksarmee war rund 6’100 Soldat:innen stark und noch mehr Leute kämpften in Volksmilizen und Selbstverteidigungseinheiten. Heute zählt die Partei 150’000 Mitglieder und leitet zehntausende Soldat:innen der Neuen Volksarmee, der Volksmilizen und Selbstverteidigungseinheiten. Ausserdem ist die Massenbasis der philippinischen Revolution von ca. 50’000 Leuten im Gründungsjahr der Partei 1968 auf Millionen von Mitgliedern revolutionärer Massenorganisationen angewachsen, wovon einige in den befreiten Gebieten ihren Beitrag zum Aufbau der neudemokratischen Volksdiktatur leisten (in der Demokratie für das Volk, aber Diktatur für die Ausbeuter herrscht).

Jemand, der den Schwindel gegen die philippinische Revolution wohl selbst glaubt, ist der gegenwärtige faschistische Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte. Im Verlauf der letzten Jahre hat er mehrmals gross angekündigt, er werde den Volkskrieg bis zum Ende seiner Präsidentschaft am 30.06.2022 zerschlagen. Dieses Versprechen ist so leer, wie seine Strategie dazu hoffnungslos ist: Er und die Imperialisten und Reaktionäre hinter ihm stecken Milliarden CHF in die philippinischen Streitkräfte (wozu sowohl die Armee als auch die philippinische Bundespolizei gehört), damit diese mit den modernsten Waffen Kampagne um Kampagne konterrevolutionären Terrors gegen das philippinische Volk entfesseln können ─ gegen jenes Volk, welches sich aufgrund von solchem und anderem Leid durch das bestehende alte System überhaupt erst der Revolution zuwendet.

WOHER KOMMT DAS KRIEGSGERÄT DER PHILIPPINISCHEN REAKTION?

Als erstes wollen wir uns die Rüstungsdeals und -spenden ansehen, die der chinesische Imperialismus in den letzten Jahren mit dem alten philippinischen Staat vereinbart hat. Im Dezember 2016 erhielt Duterte in einem Treffen mit dem chinesischen Botschafter ein Angebot, Material im Wert von rund 13’200’000 CHF als Geschenk zu erhalten und weiteres Material im Wert von rund 471’000’000 CHF in Form eines «weichen Langzeitkredits» zu erhalten (einem Kredit, den man mit kleinen Zahlungen über einen grösseren Zeitraum mit relativ wenig Druck begleichen kann). Das Geschenk bestand aus kleinen Waffen, Schnellbooten und Nachtsichtgeräten, wurde 2018 übergeben und sollte angeblich dazu dienen, Dutertes Kampf gegen das «Drogenproblem» der Philippinen zu unterstützen. Dieser «Krieg gegen Drogen» ist seit Dutertes Amtsantritt im Sommer 2016 ein Vorwand, um arme Leute und mögliche Staatsfeinde ermorden zu können. Duterte rief dazu auf, Kartellmitglieder, aber auch blosse Kleindealer und Drogensüchtige aussergerichtlich zu töten, und die philippinischen Streitkräfte können seitdem problemlos als Mordgrund Drogen auf Leuten platzieren. Kapitalistischen Schätzungen zufolge sind schon fast 32’000 Leute wegen solchen «Drogenbekämpfungsoperationen» gestorben (Stand Januar 2022). Chinas Geschenk und Kreditvergabe geschah auch im Kontext eines kurz davor blockierten Verkaufs von 26’000 M4-Gewehren aus den USA, weil ein Senator «Menschenrechtsbedenken» hatte ─ also zu Beginn der Periode, wo Duterte seinen Versuch unternahm, die Beziehungen zum U.S.-Imperialismus abzubrechen.

Im Juni 2017 folgte das nächste chinesische Rüstungsgeschenk in Form von 3’000 Gewehren und 6’000’000 Patronen im Wert von rund 6’880’000 CHF «für den Kampf gegen Terrorismus». Chinas Aussage bezog sich hierbei u.a. auf eine laufende bewaffnete Auseinandersetzung zwischen dem alten philippinischen Staat und mehreren jihadistischen Gruppierungen in der Stadt Marawi. Die Jihadisten hatten seit Mai 2017 Liquidierungen von Staatspersonal durchgeführt und Teile der Stadt besetzt; im Oktober 2017 gaben sie sich geschlagen, nachdem philippinische und U.S.-Truppen die ganze Stadt dem Erdboden gleichgemacht hatten. Die gespendeten Waffen blieben aber natürlich in den Händen der Reaktionäre.

Es folgte eine weitere Spende in Form von logistischer Ausrüstung und im Wert von rund 18’900’000 CHF im Herbst 2020. Das jüngste grössere Geschenk erfolgte im Januar dieses Jahres, als China inmitten der sich verschärfenden Spannungslage im «Südchinesischen Meer» Militärausrüstung im Wert von rund 18’400’000 CHF an die Philippinen übergab. Die genannten Gründe waren dieses Mal wieder «Kampf gegen Drogen» und «Kampf gegen Terrorismus»; Xi Jinping und co. gehen wohl die Ideen aus. Rechnen wir alleine die genannten Zahlen zusammen (und dies ist mit Sicherheit nicht das einzige Kriegsgerät aus China), so können wir sagen, dass der chinesische Imperialismus seit 2016 mindestens Rüstungsmaterial im Wert von rund 528’600’000 CHF an die philippinischen Streitkräfte vergeben hat.

Dies ist jedoch nichts verglichen mit dem Kriegsgerät, das vom U.S.-Imperialismus stammt. Von 2002 bis 2016 übergab die USA dem alten philippinischen Staat insgesamt kleine Waffen, Schiffe, Helikopter, Radios, Schutzwesten, Ausrüstung für Nachtkampf und Küstenradare im Wert von ca. 750’000’000 CHF. Im Zeitraum von Dutertes Präsidentschaft ist nochmal Material im Wert von rund 566’000’000 ca. 750’000’000 CHF dazu gekommen. Und das sind erst die Geschenke: Obendrauf hat die USA dem Staat seit Dutertes Amtsantritt rund 2’450’000‘000 ca. 750’000’000 CHF an Militärausrüstung verkauft (Stand März 2022). Vergleichen wir also den Fluss von chinesischem und von U.S.-Kriegsgerät in die Philippinen seit 2016 (in Anerkennung der Begrenzungen dieser Berechnung), so haben wir rund 528’600’000 CHF vs. rund 3’016’000’000 CHF ─ die USA hat (am Wert gemessen) den Reaktionären in den Philippinen mehr als fünf Mal so viel Material übermittelt wie China.

Neben den USA und China haben auch eine grössere Liste an Ländern bereits Rüstungsmaterial an die philippinischen Streitkräfte verkauft; u.a. der russische, japanische und britische Imperialismus sowie die türkischen und «südkoreanischen» Reaktionäre.

Was den Schweizer Imperialismus betrifft, kann mann in den Statistiken des Staatssekretariats für Wirtschaft (die auf kriegsmaterial.ch zu finden sind) nachlesen, dass schweizerische Rüstungskonzerne seit 1997 Kriegsmaterial im Wert von 21’888’229 CHF an das blutrünstige philippinische Militär exportiert haben; 21’385’212 CHF davon in den letzten 10 Jahren.

Doch Rüstungskonzerne sind auf keinem Fall die einzigen Organisationen die von hier aus ihren Beitrag zur Konterrevolution liefern. Seit über einem Jahrzehnt bauen in Deutschland, der Schweiz und Österreich Neonazis und andere Reaktionäre innerhalb der Staaten ein geheimes Putschistennetzwerk auf. Das Netzwerk entstand innerhalb der deutschen Armee und Polizei, erstreckt sich in alle möglichen Behörden und Ebenen der aufgelisteten Staaten und hat auch eine legale Organisation ─ den Verein UNITER e.V, der 2020 seinen Hauptsitz nach Rotkreuz im Schweizer Kanton Zug verlegte. UNITER bietet «Trainingsworkshops» für Polizei- und Militärpersonal in aller Welt an; u.a. auch für den reaktionären philippinischen Staat. Im Februar 2019 hielt ein Vertreter des Vereins für philippinische Politiker und hochrangigen Polizisten einen Vortrag über UNITER und im Juli desselben Jahres fand von dessen «Medizinischer Versorgungseinheit» ein zwei- bis viertägigen Workshop für Einheiten der philippinischen Bundespolizei statt.

Dieses Foto wurde nach der UNITER-Präsentation aufgenommen und ist der Facebookseite des ehemaligen Provinzgouverneurs von Laguna «ER Ejercito» (7. von links) entnommen. Rechts neben ihm steht Grosskapitalist und UNITER-Miglied Bernhard Alexander Krah, dessen Firma ebenfalls Klärwerke in der Provinz Laguna entwickelt.

Der Vertreter für UNITER, welcher den Vortrag hielt, war der deutsche Grosskapitalist Bernhard Alexander Krah. Er ist nebst anderen dubiosen Posten bei z.B. «Black Ops Coffee» ─ dem Sidehustle von UNITER-Gründer und Faschistenschwein André Schmitt (alias Hannibal) ─ der CEO eines der marktführenden Wasser- und Abwasserrohrproduzenten «Krah GmbH», das u.a. das Wasser- und Abwassersystem der philippinischen Hauptstadt Manila entwickelt. Krah arbeitet direkt mit UNITER zusammen; dieselbe Einheit, welche die philippinischen Reaktionäre trainierte, gab Angestellten von Krah bereits Workshops und es sollen weitere folgen. Krah, der offen mit der «Werteunion» sympathisiert (einer faschistischen Fraktion in der deutschen CDU/CSU), hat ein eindeutiges wirtschaftliches (und ideologisches) Interesse daran, dass in den Philippinen keine Revolution siegt, weshalb er UNITERs Aktivitäten im Land aktiv fördert; und auch UNITER selbst verdient an der Ausbildung seiner Gesinnungsbrüder ordentliches Geld.

DUTERTES BOMBARDIERUNGSKAMPAGNE

Während Dutertes Amtszeit haben die philippinischen Streitkräfte fast 200 Bombardierungen und Beschiessungen mit automatischen Waffen im Land durchgeführt (Stand März 2022). Die Anzahl solcher Angriffe ist von Jahr zu Jahr stetig gestiegen: 11 geschahen im Jahr 2017, 19 im Jahr 2018, 40 im Jahr 2019, 55 im Jahr 2020 und 68 im Jahr 2021. Das Material für die Angriffe stammte vor allem aus den USA, der Türkei und Israel. Die Hauptopfer dieser Angriffe waren arme Bäuer:innen und indigene nationale Minderheiten der Philippinen. Zehntausende mussten bereits aus ihren zerstörten Gemeinden fliehen und hunderttausende Leute wurden ihrer Lebensgrundlage beraubt. Die Bombardierungen sind auch ein direkter Zerstörungsangriff auf die Natur und haben somit einen verheerenden Effekt auf den Klimawandel, von welchem die Philippinen besonders durch tropische Stürme betroffen sind und der noch unzähligen Menschen im Land das Leben kosten wird.

Ein Eindruck der konterrevolutionären Zerstörung.

Ein junges Beispiel einer solchen Bombardierung geschah im November 2021 in der Gemeinde Miag-ao auf der Panay-Insel der Visayas-Inselgruppe. Die Neue Volksarmee war im Berggebiet in der Nähe der Gemeinde im Einsatz, um den Massen nach einer Naturkatastrophe durch Lebensmittelverteilung und Hilfe bei der Produktion wieder auf die Beine zu helfen. Daraufhin warfen die philippinischen Streitkräfte aus Angriffsflugzeugen mindestens vier 225-Kilo-Bomben ab, die ein Gebiet von hundert Metern zerstörten und bis zu 4,5 Meter grosse Krater hinterliessen. Wenige Stunden später beschossen die Reaktionäre das bombardierte Gebiet mit Haubitzen. Mindestens neun Menschen starben bei dieser feigen Abschlachtung. Wie die Neue Volksarmee berichtete, war dies nur eine von vielen Bombardierungen in der Zeit davor: Sie hatten in Provinzen auf allen drei der Hauptinselgruppen der Philippinen (Mindanao, Luzon und Visayas) sowie auf der Mindoro-Insel stattgefunden.

Einer der schlimmsten und feigsten Angriffe auf die revolutionären Kräfte in den Philippinen geschah aber am 16.08.2021. Ein Trupp von ca. 50 Soldat:innen der Neuen Volksarmee war in der Gemeinde Dolores in der Provinz Ostsamar unterwegs, um bei der Bewirtschaftung von Land zu helfen, die Massen politisch zu bilden und ihnen medizinische Unterstützung gegen das Coronavirus zu leisten, z.B. durch Verabreichungen von Impfungen. Die Neue Volksarmee geniesst in Ostsamar grosse Unterstützung, u.a. weil sie zusammen mit den Leuten wirklich «Krieg gegen Drogen» führt: Sie bekämpft bewaffnete Kriminelle und Drogenkartelle in der Region, die den Schutz der lokalen Polizei und des lokalen Militärs geniessen. Mehrere Truppmitglieder stammten aus armen Bauernfamilien im Gebiet und waren erst kürzlich der Neuen Volksarmee beigetreten.

Die philippinischen Streitkräfte spähten mit Überwachungsdrohnen das Gebiet aus, tauchten dann um 4:00 mit Kampfflugzeugen auf und warfen insgesamt acht 225-Kilo-Bomben ab. Darauf folgten den ganzen Tag lang weitere Bombardierungen und Beschiessungen, u.a. mit Maschinengewehrhelikoptern und Gatling-Kanonen. Am Ende des Tages waren 19 rote Soldat:innen dem Gemetzel zum Opfer gefallen; seit dann sind sie als «19 Märtyrer:innen von Dolores» in die Geschichte eingegangen.

DER «BLUTSONNTAG» ALS BEISPIEL SONSTIGER VERBRECHEN DER PHILIPPINISCHEN STREITKRÄFTE

Die Bluthunde des alten philippinischen Staates verübern natürlich nicht nur durch Bombardierungen und Beschiessungen Verbrechen gegen das Volk; diese zeigen bloss am klarsten auf, von was für Massenmördern die Philippinen noch regiert werden und wieso die Revolution unbedingt zum Sieg geführt werden muss. Das folgende Beispiel für die Situation auf dem Boden ist jedoch wichtig, weil wir so den Opfern der reaktionären gezielten Vernichtungsoperation namens «Blutsonntag» gedenken können.

Am 05.03.2020 gab Duterte der Polizei und seinen Streitkräften den Befehl, Kommunist:innen zu «töten» und zu «erledigen», wo immer man sie auch antrifft. Zwei Tage darauf, am 07.03., führten die philippinischen Streitkräfte zusammen mit der philippinischen Bundespolizei 24 Razzien in vier Provinzen von Südtagalog gegen diverse Mitglieder von Massenorganisationen durch. Der Vorwand hierfür war die ausgelutschte Masche von «Durchsuchungsbefehlen». Insgesamt wurden in den Razzien neun Leute ermordet und sechs weitere verhaftet. Die Mordopfer waren:

  • ein bekannter und beliebter Gewerkschaftsanführer aus der Provinz Cavite namens Emmanuel «Manny» Asuncion, der in einem Arbeiterhilfszentrum niedergemetzelt wurde
  • vier Wohnrechtsaktivist:innen (die u.a. an Hausbesetzungen beteiligt gewesen waren)
  • die Geschwister Puroy und Randy «Pulong» dela Cruz, zwei Mitglieder des indigenen Dugamat-Stammes
  • sowie Ariel und Chai Lemita Evangelista, zwei Fischer:innen und Mitglieder einer Bäuer:innenorganisation, die gegen Minenprojekte und Landraub in der Region kämpft; ihr zehnjähriges Kind wurde von der philippinischen Reaktion zum Waisenkind gemacht.
In Andenken an «Manny» (ohen) und die dela Cruz-Geschwister.

Diese grausame Vernichtungsoperation gegen Aktivist:innen aus verschiedensten Bewegungen wurde quer durchs Land scharf verurteilt und die Kommunistische Partei der Philippinen organisiert seitdem jedes Jahr im März Solidaritätsaktivitäten für die Ermordeten.

Im letzten halben Jahr verlor die philippinische Revolution auch zwei ergebene Kämpfer:innen. Am 29.10.2021 war der 72-jährige Jorge Madlos alias Kamerad Oris auf dem Weg zu einem Arzttermin, als er und seiner Begleiterin Kameradin Pika in der Bukidnon-Provinz kaltblütig von der vierten Infanteriedivision der philippiniscen Streitkräfte niedergeschossen wurden; der Befehl für diesen Mord kam von Duterte höchstpersönlich. Kamerad Oris hatte seit der Marcos-Ära Jahrzehnte lang in der Neuen Volksarmee und als Mitglied des Zentralkomitees der Partei gedient und seine Hingabe an die revolutionäre Sache wurde von allen um ihn herum hoch geschätzt. Ausserdem wurde am 24.12.2021 Menandro Villanueva alias Kamerad Bok ─ ein Kommandant der Neuen Volksarmee ─ zusammen mit Kamerad Kaye in Südmindanao von der zehnten Infanteriedivision der philippinischen Streitkräfte gefangen genommen, gefoltert und dann umgebracht. Der endgültige Mordbefehl kam auch hier vom Faschisten an der Spitze des alten Staates.

In Andenken an Kamerad Oris.

SCHLUSSWORT DER ARTIKELSERIE

Die Philippinen haben in der heutigen Weltlage des Imperialismus grosse strategische Wichtigkeit für die zwei Blöcke, die zum nächsten Weltkrieg rüsten. Als rohstoffreiches Land mit der 13.-grössten Bevölkerung der Welt möchten ausserdem alle Imperialisten liebend gerne Megaprofite aus den Rohstoffen und dem arbeitenden Volk schlagen. Die U.S.-Imperialisten waren es, welche den Kapitalismus endgültig in die Philippinen exportierten ─ als Subcontractor-Kapitalismus, welcher bis heute von Leuten geführt wird, die bei der Ausplünderung und Unterdrückung des Landes für ein Stück vom Kuchen Komplizenschaft leisten. Weil diese spezifische Art Kapitalismus in den Philippinen nicht als Revolution gegen den Feudalismus entstand (also gegen mittelalterliche Zustände, in denen arme Bäuer:innen das Land von Grossgrundbesitzern bewirtschaften müssen), existiert dieser parallel zum Kapitalismus noch als Halbfeudalismus weiter, denn den Imperialisten ist diese zusätzliche Knechtung des Volkes nur zu recht.

Die gegenwärtigen Entwicklungen in den Philippinen finden innerhalb dieses Kontextes statt und müssen entschlossen bekämpft werden. Neben den Verletzungen der nationalen Souveränität und dem brutalen konterrevolutionären Krieg wollen wir noch etwas hervorheben: Impfbestechung und -erpressung. Seit Beginn der Corona-Pandemie fordern unterdrückte Länder weltweit, dass Patente auf medizinische Güter zur Pandemiebekämpfung temporär aufgehoben werden sollen, damit der Gesundheitsschutz der Völker der Welt durch Eigenproduktion von Impfungen etc. besser gewährleistet werden kann. Die imperialistischen Pharmamonopole und Staaten insgesamt ─ von denen mit Roche und Novartis einige der grössten in der Schweiz zuhause sind ─ verweigern sich komplett und das Beispiel der Philippinen zeigt wieso. Sowohl China als auch den USA gelang es, seit dem Pandemieausbruch Impfdosen als Druckmittel gegen Duterte zu verwenden, um ihren Einfluss im Land auszubauen. Obendrauf hat Novartis auch einen Zweig dort, der 2020 fast CHF 150’000’000 erwirtschaftete.

Im Angesicht der Misshandlungen gegen die Philippinen, die wir in allen drei Artikelteilen schilderten, fordern wir:

  • Für den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen und allen ausländischen Kriegsgeräts aus philippinischem Territorium. Dazu gehört das vollständige Meeresterritorium, das den Philippinen nach internationalem Seerecht zusteht. Die diversen Inseln im «Südchinesischen Meer» dürfen nicht als Ausrede für weitere chinesischen Expansionsprojekte dienen.
  • Für den Sofortstopp aller Rüstungsexporte an die Philippinen und für Reparaturzahlungen von allen Exporteuren an das philippinische Volk in Höhe vom Wert des Kriegsgeräts.
  • Für das sofortige und fristlose Verbot des Vereins UNITER e.V. Für die sofortige Einleitung von Strafverfahren gegen alle, die mit dem Verein und seinen Ausbildungseinsätzen im Ausland in Verbindung stehen, basierend auf Beihilfe zu den Verbrechen, welche die von UNITER ausgebildeten Reaktionäre verübt haben. Für ein permanentes Bewaffnungs-, Ausreise- und Berufsverbot aller staatlichen Berufe für alle, die mit UNITER in Verbindung stehen.
  • Für den Abzug aller imperialistischen Firmen und Projekte aus den Philippinen. Sie sind mitschuldig an Dutertes Völkermordskampagnen, denn genau mit den Megaprofiten der Monopole wurde der alte philippinische Staat errichtet und wird er heute noch aufrechterhalten. Für die sofortige entschädigungslose Übergabe aller Pharma- und Gesundheitseinrichtungen, die von Monopolfirmen im Ausland betrieben werden, an das jeweilige Land; beispielsweise muss die Novartis ihren gesamten Ableger in den Philippinen hergeben.
  • Für die weltweite Abschaffung aller Patente auf Gesundheitsgüter und -dienstleistungen, die es zur Bekämpfung der Corona-Pandemie braucht (einschliesslich Impfungen).

Diese Forderungen werden niemals von irgendeinem alten Staat erfüllt werden und können nur von der philippinischen neudemokratischen Diktatur im Dienst des Volkes umgesetzt werden. Übergibt man z.B. die Novartis-Güter und -Einrichtungen an Duterte, so wird er sie morgen schon aktiv an die nächsten Imperialisten verscherbelt haben oder ein Milliardär aus den USA oder China wird sich in den neuen Verwaltungsrat reingekauft haben. Siegt der neue Staat aber, so kann er alle inländischen Subcontractor in ihrem Versuch, auf Kosten des Volkes neues Geld aus der Industrie zu schlagen, prompt unterdrücken. Deshalb ist es unsere Pflicht als Kommunist:innen und als alle, die den Imperialismus weg haben wollen, den Volkskrieg in den Philippinen zu unterstützen, indem wir im eigenen Land für die Revolution und den Sturz des Imperialismus kämpfen. Die Schweiz wird nie frei sein, solange die Monopole im Land die ganze Welt auspressen können, nur um uns zuhause mit den angesammelten Megaprofiten zu 50-Stunden-Arbeitswochen und einem ständigen Leben kurz vor der Pleite zu zwingen. Die Massen in den Philippinen und die Massen hier werden beide von den gleichen Leuten geknechtet, die Arbeiter:innen der beiden Länder sogar auf die genau gleiche Weise. Eine Sieg der Revolution in den Philippinen wäre ein Sieg für alle Feinde des Imperialismus auf der ganzen Welt und ein direkter Schlag ins Gesicht ihrer Pläne für einen dritten imperialistischen Weltkrieg. Die Kommunistische Partei der Philippinen ist mit der Neuen Volksarmee die einzige Kraft, welche diese Revolution auch vollenden und den Aufbau einer neudemokratischen Volksdiktatur leiten kann, also kann sie sich auf ihrem Weg zum Sieg über den alten Staat unserer vollsten Solidarität sicher sein.

IMPERIALISTEN RAUS! DIE PHILIPPINEN SIND KEIN SCHACHBRETT!
DIE PHILIPPINEN SIND WEDER EINE US-MILITÄRBASIS NOCH TEIL DES «SÜDCHINESISCHEN MEERS»!
KEINE EINZIGE WAFFE, KEINE EINZIGE PATRONE ANS VÖLKERMÖRDERISCHE REGIME IN MANILA!
BEI JEDEM MORD DER PHILIPPINISCHEN ARMEE TRÄGT UNITER MITSCHULD! FÜR EIN SOFORTIGES VERBOT VON UNITER UND PARALLELSTRUKTUREN!
GEGEN DIE AUSBEUTUNG VON MENSCH UND NATUR AUF DEN PHILIPPINEN! AUSLÄNDISCHE MONOPOLE RAUS!
NIEDER MIT DEM U.S.-CHINA-DUTERTE REGIME! SIEG DEM VOLKSKRIEG AUF DEN PHILIPPINEN!